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21.12.2016: Logopädie – 13 Tipps für Eltern

Logopädie  – 13 Tipps für Eltern, wie der Spracherwerb des Kindes gefördert werden kann.
Die meisten Kinder erlernen die Muttersprache wie von selbst. Allerdings gibt es immer mehr Kinder mit unterschiedlich ausgeprägten Sprachstörungen. Nach der Meinung von Experten sind in einem Jahrgang etwa 10% Kinder, deren Sprachentwicklungsstörung einer Behandlung bedarf. In den meisten Fällen bemerken die Eltern oder andere nahestehende Personen, dass das Kind im Vergleich zu den gleichaltrigen Spielkameraden Probleme mit der Sprache hat. Zeitgleich mit einer Behandlung durch Logopäden kann ein sprachförderndes Verhalten der Eltern oder Erziehungsberechtigten das Kind aber enorm bei der Sprachentwicklung unterstützen.

Wenn sich Erwachsene mit Kindern unterhalten, wird meist das Sprachniveau und die Sprechweise an den Entwicklungsstand des Kindes angepasst. So werden dem Kind intuitiv sprachfördernde Anreize geboten. Jedoch ist in manchen Fällen die Fähigkeit, Kindern die Sprache kindgerecht nahezubringen, verlorengegangen oder nie erlernt worden. Deswegen gibt es immer wieder große Unsicherheiten, wie man sich gegenüber sprachentwicklungsgestörten Kindern verhalten soll. Anregungen zur Förderung der sprachlichen Entwicklung des Kindes können Sie aus den folgenden 14 Ratschlägen erhalten. Mit diesen können Sie nicht nur die sprachliche Entwicklung des Kindes fördern, sondern auch die logopädische Behandlung zu Hause fortführen. Dabei sollte aber bedacht werden, dass bei einer schweren Entwicklungsstörung professionelle Hilfe notwendig ist und sprachförderndes Verhalten alleine nicht ausreichen wird. Auch sollten alle Freunde und Verwandte eingeweiht werden, damit auch sie ihr Verhalten an das Kind anpassen können und die Freude an der Sprache nicht verloren geht.

1. Schaffen Sie sich kleine Auszeiten mit dem Kind.
Da der Alltag ausgefüllt ist mit Verpflichtungen und den Bedürfnissen der anderen Familienmitgliedern, ist es oft nicht möglich, sich sofort und in jeder Situation auf das Kind einzulassen. Dem kann aber entgegengewirkt werden, indem in den Alltag kleine Pausen eingebaut werden, in denen nur die sprachfördernde Kommunikation mit dem Kind wichtig ist. Dabei muss es sich nicht um Stunden handeln, diese Pausen können auch kurz gehalten werden. Das wichtigste dabei ist, dass es Momente sind, in denen Sie ruhig und gelassen mit dem Kind sprechen können, ohne dabei Ihr eigenes Sprachverhalten aus den Augen zu verlieren. Fangen Sie zunächst nur mit einer oder zwei der folgenden Anregungen an und wenn Sie mit diesen Erfolg haben, können Sie weitere Punkte miteinfließen lassen.

2. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind interessiert und aufmerksam ist.
Ein aufmerksames und interessiertes Kind lernt viel besser, als ein gelangweiltes. Achten Sie darauf, womit sich das Kind momentan beschäftigt und verwenden Sie diese Beschäftigung für ein sprachförderndes Gespräch. Wenn das Kind gerade nicht mit etwas spielt, erkennen Sie gut an der Blickrichtung, womit es sich gerade gedanklich beschäftigt.

3. Nehmen Sie die Sprachversuche des Kindes an.
Niemand ist perfekt, ermahnen Sie Ihr Kind nicht. Es macht die Fehler beim Sprechen nicht, weil es faul ist, sondern weil es das Kind einfach nicht besser machen kann. Dahinter steckt keine böse Absicht. Wenn das Kind einen Fehler macht, konzentrieren Sie sich auf seine Persönlichkeit, nicht auf die Fehler. Wenn ein Kind ständig verbessert, kritisiert oder korrigiert wird, steigt der Druck an und die Misserfolge mehren sich. Im schlimmsten Fall bekommt das Kind überhaupt Angst vor dem Sprechen.

4. Wenn Fehler gemacht werden, bringen Sie die Aussagen in die richtige Form.
Fordern Sie dabei das Kind nicht zum Nachsprechen auf. Wenn es einen Fehler macht, formulieren Sie die Aussage um und ergänzen diese nach Möglichkeit weiter. Wenn Sie den Fehler wortwörtlich wiederholen, irritieren Sie das Kind nur und es wird müde.

Wenn ein Wort falsch ausgesprochen wird, wiederholen Sie das Wort in der richtigen Form.
Kind: Da, eine Datze!
Antwort: Ja, das ist eine Katze. Schau, die Katze läuft über die Wiese.

Wenn ein falscher Begriff verwendet wird, wiederholen Sie den Begriff in der richtigen Form.
Kind: Der Apfel ist gut. (Es ist aber eine Birne.)
Reaktion: Ja, ein Apfel ist auch süß, aber das da ist eine Birne. Sie ist grün und ist nicht so rund wie der Apfel.

Wenn der Satz falsch gebildet wird, wiederholen Sie den Satz in der richtigen Form.
Kind: Mama, Katze Milch trinkt.
Reaktion: Ja, die Katze trinkt Milch. Schau, wie schnell die Katze trinken kann!

5. Wiederholen Sie immer wieder die richtigen Begriffe in einem kompletten Satz.
Auf diese Art der Wiederholung wird einerseits die Aussage des Kindes bestätigt und andererseits können Sie so Ihre Aufmerksamkeit zeigen. Durch die Wiederholungen hört das Kind die richtigen Begriffe und kann sie sich so besser merken. Wenn das Kind nicht ständig verbessert wird, wird die Freude am Sprechen erhalten und es traut sich eher, neues auszuprobieren.

6. Es gibt einen Unterschied, ob die Muttersprache oder eine Fremdsprache erlernt wird.
Beim Lernen der Muttersprache hört das Kind nicht wie bei einer Fremdsprache einzelne Vokabeln, sondern immer ganze Sätze und die Vokabeln im Bezug dazu. Deswegen sollten Sie einzelne Begriffe immer mit anderen Wörtern umgeben, damit das Kind den Zusammenhang erkennen kann. Wenn Sie zum Beispiel eine Birne anbieten, dann sollten Sie nicht nur „Birne“ sagen, sondern einen ganzen Satz oder besser noch eine kleine Geschichte dazu bilden. „Schau, da hast du eine Birne. Die Birne ist grün und hat viele kleine Kerne. Schmeckt dir die Birne gut?“ So kann das Kind die Zusammenhänge besser erfassen und filtert die Teile für sich heraus, die ihm noch neu sind und die es beim Lernen der Sprache gebrauchen kann.

7. Binden Sie das Kind in Alltägliches ein und lassen Sie es so viel wie möglich alleine machen.
Nur, wenn ein Kind selbstständig handeln kann, wird es Erfahrungen sammeln können. Dabei kann es beim Einkaufen ebenso wie beim Kochen, Aufräumen oder Abwaschen mit in Ihre Tätigkeiten eingebunden werden. Während das Kind verschiedene Erfahrungen mit Dingen, Situationen und Gefühlen macht, lernt es „nebenbei“ den richtigen Umgang mit der Sprache. Beschreiben und benennen Sie die Umgebung des Kindes und womit es gerade beschäftigt ist.

8. Interessieren Sie sich für Ihr Kind und hören Sie aufmerksam zu.
Wenn Ihr Kind mit Ihnen spricht, unterbrechen Sie es nicht. Versuchen Sie dabei, eine ruhige Atmosphäre zu schaffen, damit das Gespräch ungestört verlaufen kann. Lassen Sie dem Kind genügend Zeit, um die richtigen Begriffe zu finden.

9. Versuchen Sie, mit Ihrem Kind Blickkontakt zu halten, während es spricht.
Sie zeigen dadurch Ihre Aufmerksamkeit und Ihr Kind sieht, wie Sie den Mund beim Sprechen bewegen. Somit kann es die Bewegungen leichter nachahmen.

10. Sprechen Sie langsam, deutlich und in kindgerechten Sätzen.
Vermeiden Sie aber dabei Babysprache. Es spielt keine Rolle, ob Sie hochdeutsch oder Dialekt sprechen, denn beides gehorcht den selben Regeln.

11. Animieren Sie das Kind zum Sprechen oder dazu, Fragen zu stellen. Versuchen Sie aber nicht, das sprachliche Können abzufragen. Wenn das Kind gemeinsam mit Ihnen etwas erzählt oder mit Ihnen spricht, macht ihm das viel mehr Spaß als einfaches Nachsprechen.

12. Lassen Sie das Kind nicht zu viel Fernsehen.
Beim Fernsehen findet keine Kommunikation zwischen zwei Teilen statt, sondern das Kind wird berieselt. Diese Berieselung kann den Umgang mit der Umwelt nicht ersetzen.

13. Bieten Sie dem Kind Sicherheit
Dazu gehört ein geregelter Tagesablauf ebenso wie eine feste Bezugsperson oder eine verlässliche Umwelt. Am wichtigsten ist für ein Kind Zuwendung, sie ist viel wichtiger als viel oder teures Spielzeug.