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15.09.2016: Patientenumfrage- Direktzugang

Positive Bewertungen für die Physiotherapeuten

Die AOK hat vor einigen Monaten eine Umfrage bei Patienten durchgeführt, die erst vor kurzem physiotherapeutische Maßnahmen in Anspruch genommen haben.
Das Ergebnis ist, dass in Sachsen mit Abstand die meisten physiotherapeutische Leistungen in Deutschland verordnet werden. Im Durchschnitt erhielt jeder Versicherte in Sachsen im vergangenen Jahr für 66 Euro Krankengymnastik, Massagen oder andere Anwendungen. In Thüringen waren es im Vergleich dazu 50 Euro. Der Bundesdurchschnitt lag bei 55 Euro. Die Bedeutung der Physiotherapie hat spürbar zugenommen. Denn, die Nachfrage nach physikalischen Leistungen ist im Zeitraum von 2009-2015 um 38 Prozent gestiegen.

 

Befragung von 500 Versicherten

Die AOK hat nicht nur die Kosten errechnet, sondern sich auch die Qualität von physikalischen Leistungen genauer angeschaut. Im Jahr gibt die AOK für jeden Versicherten im Durchschnitt – wie bereits oben dargestellt- 55 Euro aus. Das tut sie natürlich gern, wenn gewiss ist, dass die Beträge gut angelegt sind – nämlich in der guten Therapie für Ihre Kunden. Aber stimmt auch die Qualität der erbrachten Leistung? Diese Frage untersuchte die AOK in einer weiteren Umfrage.

Das Ergebnis war eindeutig: die Leistungen und der Service der Physiotherapeuten wurden von den meisten Befragten mit gut bis sehr gut bewertet. Nahezu ausnahmslos bescheinigten die Patienten den Therapeuten ein hohes Arbeitsniveau. Die Praxen punkteten vor allem durch die Qualität der Behandlung sowie durch Diskretion, Sauberkeit und eine hohe Zuverlässigkeit.

Auch wurde bestätigt, dass die Therapeuten den Patienten sehr anschaulich verdeutlichen konnten, ihren Beitrag für die schnellere Genesung mit zu leisten, indem sie Zuhause Übungen weiter fortführen. Diese Hartnäckigkeit der Therapeuten wurde von den meisten Patienten als positiv bewertet. Auch wurde erfragt, wie sich der Gesundheitszustand nach den 6 bzw 10 Behandlungen verändert hat. Die große Mehrzahl der Patienten bestätigte, dass der gesundheitlicher Zustand nach den Behandlungen deutlich spürbar wurde.
Gesünder und weniger Arzneien

Der Versicherte profitiert in vielerlei Hinsicht von einer guten therapeutischen Behandlung. Den Patienten geht es danach nicht nur deutlich besser, sie benötigen auch weniger Medikamente. Fast 70% bestätigten, dass sie ihren Bedarf an Medikation zurückschrauben oder komplett absetzen konnten. Ein Großteil der Patienten würde aufgrund dieser positiven Erfahrungen seine Physiotherapiepraxis weiterempfehlen.

 

Kritische Töne gehen nicht unter

Dabei geht es auch darum, auf die kritischen Hinweise einzugehen, die die Befragung zutage gefördert hat. Einige Versicherte monierten, das es immer mal wieder vorkam, dass sie von unterschiedlichen Therapeuten behandelt wurden. Sie wünschten sich zudem im Vorfeld der Therapie mehr Aufklärung durch den behandelnden Arzt, hinsichtlich der von ihm verordneten physikalischen Therapie.

Wir im arcanum achten sehr genau darauf, dass der gleiche Physiotherapeut, der zuvor das kostenfreie Erstgespräch mit dem Patienten geführt hat, ihn auch bis zum Ende der Verordnungen behandelt. Denn nur so ist gewährleistet, dass eine optimale Zweier-Beziehung zwischen Patient und Therapeut hergestellt wird.

Direktzugang in der Physiotherapie?

Zum 30. Juni 2016 endete ein Modellversuch über die Einführung der so genannten „Blankoverordnung“ in der Physiotherapie. Die Ergebnisse liegen nun vor.

Das Gesundheitssystem ist seit Jahren in einem Umbruch. Immer mehr Physiotherapeuten fordern seit geraumer Zeit eine größere eigenständige Handhabung, wenn es um die Versorgung der Patienten geht. Viele Argumente sprechen dafür, dass der Physiotherapeut selbständig entscheiden kann, wie der Patienten am besten therapeutisch zu versorgen ist. Zuletzt diskutierten viele Akteure im Gesundheitsmarkt dieses Modell. Allen voran Ärzte, Krankenkassen, Physiotherapeuten und Politiker.

In einem ersten Zwischenschritt zur Erprobung des Direktzugangs in der Physiotherapie führte der IKK Brandenburg und Berlin (IKK BB) zusammen mit dem Verband Physikalische Therapie (VPT) und der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin einen Modellversuch durch. Das Ziel war, zu eruieren, ob die Wirtschaftlichkeit und Qualität der physiotherapeutischen Behandlung durch geänderte Rahmenbedingungen, nämlich durch ein sogenanntes „Blankorezept“ vom Arzt, verbessert werden kann.
Das Modellvorhaben lief seit 2011 und wurde Ende Juni 2016 beendet.

Wie soll das Modell aussehen? Kurz gesagt: der Arzt erstellt eine Blankoverordnung, der Physiotherapeut bestimmt die Therapie.

Das Projekt war so gestaltet, dass die ausgesuchten Patienten ein Blankorezept durch ihren Arzt ausgestellt bekamen.
Der Physiotherapeut hatte nun die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob er sich an die vom Arzt vorgesehene Maßnahme hält, oder eine andere Therapie durchführt. Er war berechtigt, selbst über die Dauer, die Anzahl der Behandlungen pro Woche und über die Art, autonom zu entscheiden.

Dieser Gruppe wurde einer anderen Gruppe gegenüber gestellt, dessen Teilnehmer im herkömmlichen Sinne handelt wurden.

Im Vorfeld dieses Modellversuchs wurden die Ziele genau definiert. Die da waren: die Patientenzufriedenheit und auch die nachaltige Besserung des Gesundheitszustandes sollten bestmöglich erreicht werden.
„Blankoverordnung führt zu höherer Patientenzufriedenheit“

Die ersten Ergebnisse haben ein klares Bild ergeben. Die Patienten der Gruppe mit dem Direktzugang waren signifikant zufriedener mit der Behandlung und dem gesamten Heilungsverlauf. Den Direktzugang empfanden diese Patienten als sehr positiv und alle gaben zu verstehen, dass dies der Weg ist, den sie befürworten würden.

Die Patienten gaben auch an, dass durch die selbständige Entscheidung der Therapeuten sich im Vergleich zu vorherigen Behandlungen, die Beweglichkeit und die gesamte physische Verfassung verbessert hätten.

Auch die Physiotherapeuten wurden befragt. Diese befürworten klar und deutlich den Weg des Direktzugangs und würden sich auch die Dokumentation, die Befundung, die Dokumentation sowie die Heilmittelauswahl zutrauen.
Was dieser Direktzugang finanziell für die Beteiligten Dienstleister bedeuten würde, darüber liegen noch keine Erkenntnisse vor. Diese sollen aber ab Ende September 2016 nachgereicht werden.